an einem sonnigen freien Tag

Aktualisiert: 26. Sept. 2021



"Pass auf dich auf falls du doch losfährst" sage ich und gebe ich ihr ein Kuss, bevor ich zu Arbeit gehe. Es ist ein Feiertag im Juni, 6:00 Uhr Morgen, ich habe heute Journaldienst, 24 Stunde.

“Ich habe richtig Bock nach Italien zu fahren, zum Gardasee" das sagt Marilen seit langem, irgendwie schafft sie es aber nicht loszufahren, vielleicht weil man das österreichische Wetter bis zur Grenze aushalten muss, oder weil sie wegen Jobwechsel keinen richtigen Urlaub gehabt hat. "Ich glaube das Wetter ist morgen schön" sagte ich ihr, gestern Abend bei unsrem gemütlichen Weinabend. Eigentlich beim schönen Wetter haben wir weniger Ruhe auf der Arbeit, deswegen weiß ich genau, dass ein sonniger Tag bevor steht, ein perfekter Tag zum Motorrad fahren, ich muss auf der Arbeit davon träumen.

Kurz vor Mittag schreibt sie mir, dass sie zusammen gepackt hat und doch losfährt "gute Fahrt mein Schatz, melde dich hin und wieder" und wünsche ich ihr viel Spaß, ich freue mich für sie, trotz dass ich neidisch bin. Ich weiß es aber nicht ob sie, wie ich es oft mache um schneller in Italien anzukommen, bis Villach über die Autobahn fährt oder nimmt sie die Berge unter die Räder und über Passstraße zwischen Steiermark und Kärnten fährt, über Pack!

Es ist kurz nach Mittag und wir stehen beim zweiten Patient, ein normale Blinddarm Operation, so eine Operation im Dienst ist Gang und Gäbe. Vom Fenster kann man sehen wie schön blau der Himmel ist.

BipBipBipBip.. ziehe meine Handschuhe schnell aus und gehe ans Telefon, Schockraum’s Telefon klingelt "in 15 Minuten landet der Hubschrauber, Motorradunfall, weiblich um 30, sämtliche Frakturen, nicht reanimiert, nicht intubiert"

Mir ist kalt, oder heiß, weiß ich gerade nicht..


Sage ich anderen Bescheid was ich am Telefon erfahren habe. "Du machst hier Beidienst, ich richte im Op2 für eine Leber Operation, kann es sein dass wir den zweiten Op öffnen müssen" sagt OpSchwester und läuft raus aus dem Op “wie lange dauert noch der Blinddarm?" möchte ich wissen, wenn es länger als 15 Minuten dauern wird, muss ich von anderen Abteilungen Hilfe holen, zu zweit kann man zwar bei einem Verkehrsunfall und inneren Blutungen den Patient schon versorgen, aber zu dritt ist es optimal "Wir sind bald fertig" sagt der Oberarzt.

AnästhesiePflege telefoniert mit Schockraum um zu erfahren wie die Lage ist und wofür wir vorbereitet sein sollen. Inzwischen ist Blinddarm auch fertig, und wir sind am Laufen um den Op wieder herzurichten und bereitzustellen "sie haben die Patientin im Schockraum intubiert, sie ist nicht ganz stabil" sagt Anästhesie Pflege uns weiter “danke, wir sind bereit" sagt die OpSchwester, wehrend sie Instrumente auf den Tisch ordnet und gleichzeitig sterile einmal Artikel von mir annimmt. Ich möchte vorsichtig fragen wo der Unfall passiert ist, traue ich mir es aber nicht! "Wo ist es passiert?" wehrend er seine Handschuhe anzieht fragt der Assistenzarzt, der jetzt auch zur Hilfe gekommen ist und mit uns auf die Patientin wartet, Anästhesie Pflege antwortet "aufm Pack, von dort ist der Hubschrauber geflogen"

Mir ist kalt, oder warm, weiß ich nicht mehr..


Es dauert keine zwei Minuten bis die Patientin blutig und bewusstlos, abhängig vom Beatmungsgerät auf der Liege, in Begleitung von Ärzten vor dem Op steht, in meinem Kopf hat das Warten aber gefühlt den ganzen Tag gedauert..

"sie ist nicht sie" sage ich, versehentlich sogar laut! Es interessiert aber zum Glück niemanden was ich gesagt habe, das Rennen geht weiter, da liegt jemand und gehört gerettet "mit drei auf den OpTisch, eins zwei drei.."

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